Die Privatinsolvenz (Verbraucherinsolvenz) ist ein mehrstufiges gerichtliches Verfahren zur Entschuldung – und während dieser Zeit ist ein klassischer Bankkredit praktisch ausgeschlossen. Dennoch stellen sich viele Betroffene die Frage, ob und wann wieder ein Kredit möglich ist. Wir erklären den Ablauf und die realistischen Optionen in den einzelnen Phasen.
Die Phasen der Privatinsolvenz im Überblick
1. Außergerichtlicher Einigungsversuch
Vor dem eigentlichen Insolvenzverfahren muss zunächst versucht werden, sich außergerichtlich mit den Gläubigern zu einigen – meist mit Unterstützung einer Schuldnerberatung.
2. Gerichtliches Insolvenzverfahren
Scheitert die außergerichtliche Einigung, folgt das gerichtliche Verfahren, in dem das pfändbare Vermögen und Einkommen zur Befriedigung der Gläubiger verwendet wird.
3. Wohlverhaltensphase
In der anschließenden Wohlverhaltensphase muss der Schuldner bestimmte Obliegenheiten erfüllen – etwa eine angemessene Erwerbstätigkeit ausüben und den pfändbaren Teil des Einkommens an einen Treuhänder abführen. Seit der Reform des Insolvenzrechts gilt für Verfahren, die seit dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden, eine verkürzte Regeldauer von drei Jahren bis zur Restschuldbefreiung.
4. Restschuldbefreiung
Am Ende der Wohlverhaltensphase steht – bei Erfüllung der Obliegenheiten – die gerichtliche Restschuldbefreiung: Die verbleibenden Schulden werden erlassen.
Warum ein Kredit während der Privatinsolvenz kaum möglich ist
Während des laufenden Verfahrens wird die Privatinsolvenz als sogenanntes Hartmerkmal bei der Schufa und anderen Auskunfteien hinterlegt. Banken lehnen Kreditanträge in dieser Zeit praktisch ausnahmslos ab, da das pfändbare Einkommen ohnehin an den Treuhänder abgeführt werden muss und ein zusätzlicher Kredit die übrigen Gläubiger benachteiligen würde. Ein Kredit „an der Schufa vorbei" während eines laufenden Insolvenzverfahrens ist weder realistisch noch empfehlenswert.
Was ist nach der Restschuldbefreiung möglich?
Nach der Restschuldbefreiung wird der entsprechende Eintrag bei der Schufa nicht sofort gelöscht. Infolge einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zur Speicherdauer solcher Einträge wurde die bisherige Praxis der Auskunfteien überprüft – die aktuell geltende Frist sollten Betroffene direkt bei der Schufa oder einer Verbraucherzentrale erfragen. Erst nach Löschung des Eintrags verbessert sich die Bonität spürbar, wodurch klassische Kredite wieder realistisch werden.
Mögliche Zwischenlösungen
- Ein Kredit mit solventem Bürgen oder Mitantragsteller, dessen eigene Bonität die Bank überzeugt
- Die Kategorie Kredit trotz Insolvenz, die auf Anbieter mit alternativen Prüfverfahren spezialisiert ist
- Die Kategorie Kredite ohne Schufa, bei der statt eines klassischen Schufa-Scores andere Kriterien wie eine Haushaltsrechnung geprüft werden
Wichtig: Auch bei diesen Angeboten prüfen seriöse Anbieter die Rückzahlungsfähigkeit. Ein Kredit ganz ohne jede Bonitätsprüfung widerspricht den gesetzlichen Vorgaben zur verantwortungsvollen Kreditvergabe und ist ein Warnsignal für unseriöse Angebote.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Privatinsolvenz insgesamt?
Für Verfahren, die seit dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden, beträgt die Regeldauer bis zur Restschuldbefreiung drei Jahre, sofern die Mindestanforderungen erfüllt werden.
Kann ich während der Wohlverhaltensphase einen Kredit bekommen?
In der Praxis so gut wie nie – jeder zusätzliche Kredit würde die gleichberechtigte Befriedigung der Gläubiger unterlaufen und wird von seriösen Banken abgelehnt.
Was passiert mit dem Schufa-Eintrag nach der Restschuldbefreiung?
Der Eintrag bleibt zunächst bestehen und wird erst nach Ablauf der aktuell geltenden Speicherfrist gelöscht. Die genaue Dauer sollten Betroffene direkt bei der Schufa erfragen, da sich die Praxis in den letzten Jahren verändert hat.
Weitere Informationen zur allgemeinen Bonitätsprüfung finden Sie in unserem Artikel Ihre Schufa-Auskunft kostenlos online beantragen.